29.11.04

Das Ende einer Ära

Letzten Freitag bin ich tatsächlich um 6 Uhr morgens aufgestanden. Wegen einer Radiosendung. Ich weiß nicht, ob das nur mir so geht und ich vielleicht für Neurologen interessante Hirnwindungen aufweise, oder ob auch andere dem stetigen Lauf der Zeit versuchen, willkürliche Hinweisschilder und Leitplanken in den Weg zu stellen. Ich jedenfalls weise gewissen Begebnissen quasi-schamanische Eigenschaften zu im Wettlauf mit der Zeit. Dazu gehören u.a. finale Dinge jeder Art - das letzte Spiel einer Saison, der letzte Tag des Jahres (an dem ich meine einzige Zigarre des Jahres schmauche), oder eben auch eine letzte Radioshow.

Und so auch letzten Freitag. Die Breakfast Show auf Triple J mit Wil Anderson und Adam Spencer gehörte in den letzten 5 Jahren so unwiderruflich zu meinem Aufwachen und -stehen wie Raucherhusten und Kopfkissenfrisur. Um lediglich 8 Monate jünger als mein Ankommen in Australien, war Spencers und Andersons Show Teil meiner Flitterwochenperiode in Australien, wo alles noch neu und klasse war. Und im Ernst: obwohl an Triple J viel auszusetzen ist, sind die natürlich immer noch um Klassen besser als alles, was in HH so über den Äther gehen darf. Und obwohl die Breakfast Show ihre kurzzeitigen Aussetzer hatte - wenn man die mit z.B. der Morgenshow auf NDR 2 vergleicht (alleine dafür muß man das Internet schon lieben - daß man Radio aus aller Welt hören kann. Und sei es auch nur, wie im Falle der Morgenshow, zum entsetzten Ohrenzuhalten), kommt man zwingend zum Schluß, daß es eben kein Vergleich ist.

Also war Nostalgiemorgen letzten Freitag. So lag ich im Bett, hörte der letzten Sendung meiner Vergangenheit zu und erinnerte mich an die vergangenen 6 Jahre und was ich um 6 Uhr 17 im November 1999 wohl so gemacht haben dürfte; und was um 6 Uhr 41 im November 2000; und was um 7 Uhr 13 im November 2001... Und wieder ist ein Stück angenehmes Australien den Bach runtergegangen. Auch wenn sich das natürlich hoffnungslos reaktionär anhört, und auch wenn die Nachfolger von Anderson und Spencer nächstes Jahr die eigentlich ganz angenehmen Jay und Lindsay (Sänger und Gitarrist der gar nicht mal unguten Sydney Punkband Frenzal Rhomb) sind - es wird nicht mehr so, wie es mal war. Das, so sieht's jedenfalls im Moment aus, darf dann auch für weitergehende Sachen als nur eine Radiosendung verstanden werden.